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Meldung

Polnische Skepsis gegenüber EU-Beitritt der Ukraine wächst

Nach einer Umfrage des Instituts Opinia24 lehnen 52 Prozent der Polen eine Unterstützung der Ukraine auf deren Weg in die Europäische Union ab, wie das polnische Radio unter Berufung auf die Erhebung berichtet.

Polnische Skepsis gegenüber EU-Beitritt der Ukraine wächst

Eine knappe Mehrheit, eine deutliche Reserve

Zugleich spricht sich eine Mehrheit der Befragten gegen die Entsendung polnischer Soldaten in das Nachbarland nach einem möglichen Waffenstillstand aus. Der Wert liegt nur knapp über der 50-Prozent-Marke - politisch heikel, nicht statisch. Beide Positionen zusammengenommen verschieben die innenpolitische Manövriermasse Warschaus in Richtung Distanz, während aus Brüssel der Erwartungsdruck wächst.

Strukturdaten und politischer Druck

Aktuell leben rund 1,5 Millionen ukrainische Staatsbürger in Polen. Allein im ersten Halbjahr 2026 registrierte die Polizeizentrale nach Angaben der „Rzeczpospolita" 180 Fälle von Hassverbrechen gegen Ukrainer - ein Drittel mehr als im Vorjahreszeitraum. Die Zahlen treffen auf eine Migrationsrealität, die seit 2022 als Stabilisator für den polnischen Arbeitsmarkt, das Schul- und das Gesundheitssystem wirkt.

Premierminister Donald Tusk verurteilte nach einem Übergriff auf ein ukrainisches Paar in Breslau die Gewalt und warnte vor einer Zerstörung der gesellschaftlichen Solidarität. Drei Männer hatten eine junge Ukrainerin und ihren Partner zusammengeschlagen; zwei Tatverdächtige wurden festgenommen, beide einschlägig vorbestraft, das Aggressionsmotiv laut Polizei „nationalistisch". Der ukrainische Außenminister Andrij Sybiha forderte eine unparteiische Untersuchung und wandte sich gegen „bestimmte polnische Politiker" - eine erkennbare Anspielung auf Staatspräsident Karol Nawrocki, der Selenskyj zuvor im Zuge eines Geschichtsstreits den höchsten polnischen Orden entzogen hatte. Das Verhältnis zwischen Regierung und Staatspräsidentschaft bleibt damit ein offener Risikofaktor.

Auf europäischer Ebene wirken parallel Reibungsverluste: Stockende Beitrittsverhandlungen mit einzelnen Kandidaten, darunter Serbien, bremsen das Verfahren, in dem Kiew auf einen konkreten Eröffnungstermin drängt. Polens bisherige Rolle als Motor der Erweiterung steht damit faktisch zur Disposition.

Was zu beobachten bleibt

Die Umfrage misst Stimmung, keine Bindungswirkung in EU-Rat oder nationaler Legislative. Solange die Regierung die Polarisierung an der Exekutivspitze - Tusk gegen Nawrocki - nicht begrenzt und die Justiz die Vorfälle konsequent verfolgt, bleibt die Fördermittelallokation gegenüber Kiew an eine fragile Mehrheit im eigenen Land gebunden. Der nächste harte Test ist das Verhalten der polnischen Delegation bei den kommenden Erweiterungsdebatten in Brüssel - und die Frage, ob die 52 Prozent eine Konstante bleiben oder eine Volatilität darstellen.