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Politische Zäsur in Deutschland: Wie der wirtschaftliche Abstieg die deutsch-polnischen Beziehungen belastet

Im September 2026 hat die AfD in Sachsen-Anhalt ein Ergebnis erzielt, das in der Bundesrepublik ohne Beispiel ist: 43,8 Prozent der Stimmen, 39 von 83 Mandaten, drei Sitze unter der Mehrheit. Die CDU von Kanzler Friedrich Merz brach auf 17,2 Prozent ein.

Politische Zäsur in Deutschland: Wie der wirtschaftliche Abstieg die deutsch-polnischen Beziehungen belastet

Die wirtschaftliche Stagnation der vergangenen Jahre hat diesen Boden bereitet – mit Folgen, die bis an die Oder reichen.

Strukturen hinter dem Erdrutsch

Die Wahl war die direkte Fortsetzung eines Musters, das sich zwei Jahre zuvor in Sachsen abgezeichnet hatte. Damals lag die AfD mit 30,6 Prozent nur einen Punkt hinter der CDU (31,9 Prozent). Was 2024 Prognose blieb, ist 2026 Resultat geworden.

Vier Jahre Rezession oder Stagnation in Folge – ein Zustand ohne Nachkriegsreferenz. Der Verlust billigen russischen Gases ab 2022, die Krise der exportabhängigen Industrie, vor allem die teure und bislang unprofitable Transformation der Automobilbranche weg vom Verbrennungsmotor: In diesem Feld haben chinesische Hersteller einen breiten Vorsprung aufgebaut. Diese Strukturgefälle trafen die Ampelkoalition aus SPD, Grünen und FDP direkt.

Die Grünen zahlten für die Kosten ihrer Energiewende und den begleitenden Atomausstieg, den viele Wähler im Nachhinein bereuten. Die FDP wurde für die Sparpolitik ihres Finanzministers bestraft, während die Rezession sich vertiefte. Die SPD schnitt unter beiden Vorzeichen kaum besser ab. Im November 2024 entließ Kanzler Olaf Scholz seinen Finanzminister, im Dezember verlor er bewusst die Vertrauensfrage. Die Februarwahl 2025 warf die FDP aus dem Bundestag und bescherte der SPD ihr schlechtestes Ergebnis in der Parteigeschichte. Merz führte die CDU zurück in die Regierung, die Konjunktur blieb stagnationär.

Was sich für die deutsch-polnische Achse verschiebt

Sachsen-Anhalt grenzt nicht an Polen. Die Verschiebung im politischen Spektrum der östlichen Bundesländer ist für Warschau trotzdem unmittelbar relevant. Die deutsche Europapolitik, die Sanktionsarchitektur gegenüber Russland, die Unterstützung der Ukraine – all das hängt an einer stabilen Bundesregierung mit klarer pro-europäischer Mehrheit. Die AfD positioniert sich in all diesen Feldern als systemkritisch.

Der Economist rahmt die Entwicklung gesamteuropäisch: Europa ordne seine diplomatischen Stühle neu, während globale Krisen gleichzeitig auftreten. Die wachsende Instabilität im größeren EU-Mitgliedstaat Deutschland verstärkt diesen Effekt. Für die deutsch-polnische Verständigung folgt daraus: weniger Verlässlichkeit bei den großen Linien, mehr Gewicht für bilaterale Absprachen auf Arbeitsebene.

Was zu beobachten ist

Die Regierungsbildung in Sachsen-Anhalt wird zeigen, ob die CDU bereit ist, mit der AfD zu kooperieren oder ob eine Minderheitsregierung die Folge ist. Auf Bundesebene wird entscheidend, wie Merz die strukturellen Probleme adressiert: Energiekosten, Industriepolitik, Wettbewerbsfähigkeit gegenüber China. Die Analyse von Modern Diplomacy bezeichnet das Ergebnis als vorhersehbares Erdbeben. Das Epizentrum liegt in Mitteldeutschland, die Erschütterungen reichen bis Warschau und Brüssel.