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Medienkooperation: Redaktionsbesuch oder Videokonferenz?

Wenn in deutschen und polnischen Redaktionen über die nächste Zusammenarbeit gesprochen wird, fällt der Satz meist schnell: „Das machen wir einfach per Videokonferenz." Ich höre ihn in den…

Aktualisiert31. Juli 2026
Lesezeit12 Min. Lesezeit
Medienkooperation: Redaktionsbesuch oder Videokonferenz?

Wenn in deutschen und polnischen Redaktionen über die nächste Zusammenarbeit gesprochen wird, fällt der Satz meist schnell: „Das machen wir einfach per Videokonferenz." Ich höre ihn in den unterschiedlichsten Konstellationen — von Lokalredaktionen an Oder und Neiße bis zu überregionalen Ressorts, die gemeinsam über EU-Grenzregionen oder Migrationsrouten recherchieren wollen. Die Logik dahinter ist nachvollziehbar: weniger Reisekosten, weniger Zeitaufwand, mehr Termine im Kalender. Und doch verbirgt sich in dieser einen Satz ein Missverständnis, das ich in den letzten Jahren immer wieder in unserer nachbarschaftlichen Medienarbeit beobachtet habe — ein Missverständnis, das Projekte zwar nicht scheitern, aber leiser macht, als sie sein könnten.

Hier erscheinen Partnerangebote.

Wir reden hier nicht über die Frage, ob Videokonferenzen sinnvoll sind. Sie sind es, und sie haben unsere deutsch-polnische Zusammenarbeit in den vergangenen Jahren enorm bereichert. Die Frage ist anders gestellt: Welches Format passt zu welchem Moment einer Kooperation? Und was passiert mit unserer Wahrnehmung des Nachbarlandes, wenn wir die persönliche Begegnung dauerhaft aus unserer gemeinsamen Praxis herauskürzen? In den nächsten Abschnitten teile ich die Erfahrungen, die wir im Netzwerk gesammelt haben — und die konkreten Rahmenbedingungen, die das Deutsch-Polnische Jugendwerk und Erasmus+ für die jeweiligen Formate vorgeben.

Die Dynamik der Begegnung — Warum physische Redaktionsbesuche unverzichtbar bleiben

Wer einmal erlebt hat, wie eine polnische Redaktion morgens die Schlagzeilen sortiert, versteht mehr über unser Nachbarland als aus jedem noch so guten Länderreport.

Eine Redaktion ist kein neutraler Ort. Sie riecht nach dem Kaffee der dritten Tasse, nach dem Tonband, das ein Praktikant gerade noch schnell zurückspult, nach dem Papier, das seit dem Vormittag in einem Stapel auf dem Konferenztisch liegt. Wer zwei, drei Tage in einer polnischen oder deutschen Redaktion mitläuft, lernt Schichten kennen, die kein Briefing-Papier abbildet: Wer entscheidet eigentlich, welche Geschichte auf Seite eins kommt? Welche Quellen werden ohne Rückfrage angerufen, welche müssen sich erst bewähren? Welche Worte tauchen in den Köpfen der Kolleginnen und Kollegen auf, wenn sie an „die EU" denken — und welche an „die Nachbarn"?

Diese Alltagsrealität lässt sich nicht über einen Bildschirm transportieren. Sie entsteht in den Pausen, am Rand des offiziellen Programms, in den kleinen Ungenauigkeiten, die ein Dolmetscher ohnehin nicht mehr übersetzen würde. Es sind genau diese Mikromomente, in denen kulturelle Codes sichtbar werden — also jene unausgesprochenen Regeln, nach denen eine Redaktion tickt. Für eine Recherche, die das Nachbarland nicht nur zitiert, sondern tatsächlich verstehen will, ist das oft der entscheidende Unterschied.

Ich erinnere mich an einen Workshop in Krakau, bei dem eine deutsche Kollegin einer polnischen Redakteurin erklärte, wie sie das Thema Energiewende bearbeitet. Erst am dritten Tag, bei einem Spaziergang durch die Altstadt, fragte die polnische Kollegin zurück: „Aber wie geht ihr eigentlich mit den Menschen um, die ihr dabei verliert?" Eine Frage, die in einer Videokonferenz nie aufgekommen wäre — sie brauchte Vertrauen, und Vertrauen braucht Zeit am selben Ort. Solche Übersetzungsmomente lassen sich nicht terminieren, sie entstehen nur, wenn wir uns auf das Gegenüber einlassen.

Gleichzeitig sollen wir die Kehrseite nicht verschweigen: Ein Redaktionsbesuch kostet. Er kostet Tage, die im eigenen Haus fehlen, er kostet Reisekilometer, Übernachtungen, oft auch Sprachmittlung. Für kleine Lokalredaktionen, die ohnehin mit knappen Ressourcen arbeiten, ist das eine ernste Hürde. Trotzdem — oder gerade deshalb — bleibt die persönliche Begegnung in unserer Erfahrung jener Moment, in dem aus einem gemeinsamen Projekt eine echte Partnerschaft wird. Alles andere ist Vor- oder Nachbereitung.

Digitale Brücken — Videokonferenzen als Werkzeug für kontinuierliche Redaktionsarbeit

Wer Videokonferenzen ablehnt, verzichtet auf ein Werkzeug, das unsere deutsch-polnische Zusammenarbeit über Jahre hinweg getragen hat. Die entscheidende Weiche steht früher: Wir müssen klären, welche Rolle das digitale Format in einem konkreten Projekt übernehmen kann — und welche nicht.

Eine Kurzanalyse des Europäischen Parlaments aus dem Jahr 2020 kommt in dieser Frage zu einem klaren Befund: Virtuelle Formate sind dann sinnvoll, wenn ein Auslandsaufenthalt nicht ohnehin Kern des Vorhabens ist. Geht es um Sprach- und Kulturimmersion, kann ein digitales Format die physische Mobilität nicht ersetzen. Als Risiken benennt die Studie unter anderem eine ungleiche technische Ausstattung der Teilnehmenden, eine schwache Bindung an das Programm, Datenschutzfragen sowie die digitale Ermüdung, die bei längeren Bildschirmformaten unausweichlich eintritt. Diese Einschätzung ist mittlerweile einige Jahre alt, und sie hat nichts von ihrer Gültigkeit verloren.

Erasmus+ formuliert es im Grunde ähnlich: Digitale Werkzeuge sind ausdrücklich als Ergänzung zu physischen Jugendbegegnungen gedacht. Sie sollen die Zusammenarbeit der Partnerorganisationen verbessern und die Qualität der gemeinsamen Aktivitäten erhöhen — nicht aber an deren Stelle treten. Wer virtuelle Austausche im Sinne von Erasmus+ plant, muss Bedingungen beachten, die in der Praxis leicht unterschätzt werden: Es handelt sich um moderierte Online-Aktivitäten in kleinen Gruppen, die von geschulten Moderatorinnen und Moderatoren begleitet werden, Datenschutzregeln einhalten und überwiegend synchron stattfinden. Asynchrone Elemente können ergänzend dazukommen, ersetzen den gemeinsamen Moment aber nicht.

In der Redaktionsarbeit zwischen Deutschland und Polen bewähren sich Videokonferenzen vor allem in drei Rollen. Erstens als Vorbereitung: ein bis zwei Treffen vor dem eigentlichen Redaktionsbesuch, in denen Themen abgestimmt, Materialien ausgetauscht und die gegenseitigen Erwartungen geklärt werden. Zweitens als Nachbereitung: ein Debriefing in der Woche nach der Begegnung, in dem Eindrücke sortiert und nächste Schritte vereinbart werden. Drittens als kontinuierliches Format: ein monatlicher oder zweimonatlicher Termin, der die Partnerschaft zwischen den großen Treffen am Leben hält. In allen drei Rollen ist die Videokonferenz eine Brücke, kein Ersatz für das Haus, in das wir gemeinsam gehen.

Eine Videokonferenz ist wie ein eingetopfter Setzling — sie braucht den physischen Boden, um wirklich Wurzeln zu schlagen.

Förderlandschaft und Rahmenbedingungen — Was das DPJW und Erasmus+ vorgeben

Wer in der deutsch-polnischen Medienzusammenarbeit plant, kommt an zwei Förderlinien nicht vorbei: dem Deutsch-Polnischen Jugendwerk (DPJW) und Erasmus+. Beide sind nicht automatisch für jedes Medienprojekt die richtige Adresse — aber beide geben einen Rahmen vor, der die eigene Planung schärft. Schauen wir uns die Vorgaben an, die für 2026 gelten.

Das Deutsch-Polnische Jugendwerk fördert Begegnungen für junge Menschen zwischen 12 und 26 Jahren. Eine reguläre Begegnung muss mindestens vier und höchstens 28 Tage dauern. Die deutschen und polnischen Gruppen sollen zahlenmäßig annähernd gleich groß sein; das Verhältnis der Teilnehmenden beider Länder darf 2:3 nicht überschreiten. Was oft übersehen wird: Das DPJW verlangt einen erkennbaren Begegnungscharakter. Jugendliche sollen sich kennenlernen und Alltag, Geschichte und Kultur des Nachbarlandes erfahren — das Programm soll authentisches Begegnen sowie gemeinsames Erleben, Lernen und Handeln ermöglichen. Rein touristische Programme sind nicht förderfähig, auch wenn sie noch so gut gemeint sind.

Für die Vor- und Nachbereitung empfiehlt das DPJW ausdrücklich Online-Treffen. Treffen, die nur im eigenen Land stattfinden, werden nicht gefördert; sie sollen online oder aus eigenen Mitteln finanziert werden. Pro Projekt kann für das binationale oder trilaterale Projektteam nur ein Vor- oder Nachbereitungstreffen beantragt werden, und das DPJW kann dafür höchstens zwei Tage fördern. Wer mit größeren Gruppen oder über einen längeren Zeitraum plant, sollte wissen: Der maximale Zuschuss für Programmkosten liegt 2026 bei 25.000 Euro für Projekte in Deutschland und bei 90.000 Złoty für Projekte in Polen. Die Antragsfrist ist eng — 2026 müssen Anträge mindestens drei Monate vor Projektbeginn eingereicht werden.

Erasmus+ wiederum beschreibt Jugendbegegnungen als 5 bis 21 Tage ohne Reisetage, mit mindestens 16 und höchstens 60 Teilnehmenden. In Sonderfällen, etwa wenn Jugendliche mit geringeren Chancen einbezogen werden, gelten niedrigere Mindestzahlen. Virtuelle Austausche richten sich an Teilnehmende zwischen 13 und 30 Jahren und müssen überwiegend synchron durchgeführt werden. Was diese Vorgaben für ein konkretes deutsch-polnisches Medienprojekt bedeuten, ist immer eine Einzelfallprüfung — die Regelwerke sind Wegweiser, keine Versprechen. Es gibt keine belastbare Vergleichsstudie, die speziell deutsch-polnische Redaktionsbesuche und Videokonferenzen mit identischer Zielgruppe, gleicher Dauer und denselben journalistischen Lernzielen direkt gegenüberstellt; jede Übertragung der Vorgaben auf das eigene Vorhaben gehört mit dem jeweiligen Förderträger besprochen.

Für die eigene Planung heißt das: Entscheidet zuerst, was inhaltlich passieren soll. Sollen junge Journalistinnen und Journalisten — Auszubildende, Studierende, Berufseinsteigerinnen — sich vor Ort in einer Redaktion begegnen, ein gemeinsames Rechercheprojekt umsetzen und voneinander lernen, dann ist das ein klassisches Feld für das DPJW. Soll ein crossmediales Experiment virtuell starten, mit moderierten Online-Sessions und kleinen Gruppen, dann ist Erasmus+ virtueller Austausch der wahrscheinlichere Rahmen. Wer schon mitten im Berufsleben steht und einen klassischen Redaktionsaustausch zwischen erfahrenen Kolleginnen und Kollegen plant, findet in anderen Programmlinien seine Heimat — bilateralen Journalistenaustausch, Stipendienprogramme, EU-Förderlinien für grenzüberschreitende Recherchen. Welche Linie letztlich greift, sollte immer mit den jeweiligen Förderträgern vor Ort geklärt werden.

AspektRedaktionsbesuch vor OrtVideokonferenz
BegegnungstiefeHoch — direkte Einbettung in den RedaktionsalltagBegrenzt — Bildschirm filtert Atmosphäre und Nebengeräusche
Reise- und ZeitaufwandHoch, dafür keine BandbreitenproblemeNiedrig, dafür anfällig für Verbindungsabbrüche
KostenReise, Unterkunft, Verpflegung, oft SprachmittlungLizenzkosten, gelegentlich Dolmetsch
SpontaneitätHoch — informelle Gespräche am RandeNiedrig — bleibt meist im geplanten Rahmen
SprachnuancenDirekt erlebbar — Tonfall, Pausen, WortwahlEingeschränkt — Mikrofon und Bandbreite entscheiden
SkalierbarkeitBegrenzt durch Reisekapazität und ZeitbudgetHoch — viele Teilnehmende gleichzeitig möglich
Vorbereitung und NachbereitungErgänzend sinnvoll, nicht zwingend onlineSehr gut geeignet
Förderfähigkeit (DPJW, Erasmus+)Physische Begegnung ist häufig KernbedingungErgänzend, nicht ersetzend

Medienfreiheit und Kontext — Sensibilität in der deutsch-polnischen Berichterstattung

Ein Redaktionsbesuch hat noch eine zweite Funktion, die in der Projektplanung selten auf dem Papier steht: Er eröffnet uns einen Blick auf den medienpolitischen Kontext, in dem unsere Partnerinnen und Partner arbeiten. Dieser Kontext ist in Polen seit Jahren ein Gegenstand sorgfältiger Beobachtung — und er hat sich in jüngster Zeit spürbar verändert.

Im World Press Freedom Index 2026 von Reporter ohne Grenzen liegt Polen auf Rang 27 von 180, mit 75,52 Punkten. 2025 lag das Land noch auf Rang 31 mit 74,79 Punkten. Die Entwicklung geht also in die richtige Richtung. Gleichzeitig erinnert Reporter ohne Grenzen daran, dass die polnische Medienlandschaft zwar relativ vielfältig ist, während der achtjährigen Regierungszeit der PiS jedoch politischer Druck auf öffentliche und private Medien ausgeübt wurde. Diese Phase wirkt in den Redaktionen weiter, in den Biografien der Kolleginnen und Kollegen und in der Vorsicht, mit der bestimmte Themen behandelt werden. Aus dem Rang allein lässt sich allerdings weder ableiten, dass alle polnischen Redaktionen gleich arbeiten, noch dass einzelne Medien unfreie Berichterstattung betreiben — die Vielfalt der Szene bleibt bemerkenswert.

Was heißt das konkret für eine deutsch-polnische Medienkooperation? Es heißt zunächst, dass wir die Themenwahl sensibel gestalten. Recherchen zur Medienfreiheit selbst, zur Rolle öffentlich-rechtlicher Sender, zur Beziehung zwischen Politik und Journalismus können in Polen anders aufgenommen werden als in Deutschland — nicht, weil sie verboten wären, sondern weil die Erfahrungen der vergangenen Jahre Spuren hinterlassen haben. Es heißt auch, dass wir Quellenschutz und Datenschutz im cross-border-Rechercheprojekt doppelt denken müssen: Was in Deutschland nach guter Praxis aussieht, kann in Polen eine andere Risikolage haben, und umgekehrt. Das lässt sich nicht in einem Merkblatt abhaken — das lässt sich nur im Gespräch klären, und Gespräche brauchen Vertrauen.

Ich habe erlebt, dass polnische Kolleginnen und Kollegen bei scheinbar unverfänglichen Themen — etwa bei der Berichterstattung über lokale Verwaltung oder über EU-Fördermittel — sehr genau abwägen, was sie offen ansprechen. Diese Vorsicht ist keine Schwäche, sondern professionelle Klugheit. Wer sie verstehen will, muss im Newsroom gewesen sein, muss gesehen haben, wie Themen priorisiert werden, und muss die unausgesprochenen Linien kennen, an denen sich die Beteiligten orientieren. Wir tun uns keinen Gefallen, wenn wir solche Kontexte aus unserer gemeinsamen Arbeit herauskürzen.

Strategische Planung — Wie wir Präsenz und digitale Vernetzung verbinden

Wie also verbinden wir das Beste aus beiden Welten? In unserer Praxis hat sich ein hybrider Rhythmus bewährt, der sich an einer einfachen Idee orientiert: Videokonferenz vorbereitet, Begegnung vertieft, Videokonferenz verstetigt. Wer diesen Rhythmus konsequent durchhält, merkt schnell, dass beide Formate ihre Stärke genau dort entfalten, wo das andere an seine Grenzen stößt.

Phase 1 — Vorbereitung über Videokonferenz, vier bis sechs Wochen vor der Begegnung. In diesem ersten Treffen klären sich die Teilnehmenden gegenseitig vor, einigen sich auf Themenschwerpunkte und legen fest, wer welche Materialien mitbringt. Erfahrungsgemäß reicht ein Termin von 60 bis 90 Minuten. Wichtig: Sorgen Sie für eine echte Vorstellungsrunde, in der nicht nur Funktion und Redaktion genannt werden, sondern auch eine persönliche Notiz — ein aktuelles Lieblingsstück, ein Projekt, an dem man arbeitet. Solche kleinen Einstiege schaffen schneller Vertrauen als jeder Agendapunkt.

Phase 2 — die Begegnung vor Ort, drei bis fünf Tage. Hier liegt der Kern jeder Kooperation. Planen Sie genug Zeit für die eigentlichen Redaktionsbesuche ein, aber auch ausreichend informelle Programmpunkte: ein gemeinsames Mittagessen, ein Stadtteilrundgang, ein Abend mit Kolleginnen und Kollegen aus dem Nachbarland. Gerade diese Programmpunkte entscheiden darüber, ob die Begegnung als Pflicht oder als Bereicherung erlebt wird. Wer das DPJW als Förderlinie nutzt, achte darauf, dass das Programm diesen Begegnungscharakter im Sinne des Jugendwerks trägt — Begegnung, gemeinsames Lernen, gemeinsames Handeln.

Phase 3 — Nachbereitung über Videokonferenz, innerhalb von zwei Wochen nach der Begegnung. Hier werden die Eindrücke sortiert, offene Fragen geklärt, Folgeaufgaben verteilt. Wer diesen Termin ausfallen lässt, verschenkt den größten Teil des Ertrags der Begegnung. Erfahrungsgemäß reicht ein 60-minütiges Treffen, das mit einem kurzen schriftlichen Protokoll abgeschlossen wird.

Phase 4 — Verstetigung, ein Termin pro Quartal. Hier liegt das eigentliche Geheimnis nachhaltiger Partnerschaften. Eine quartalsweise Videokonferenz, in der aktuelle Themen, gemeinsame Projekte oder einfach die Entwicklung in beiden Redaktionen besprochen werden, hält die Beziehung lebendig, ohne dass jedes Mal eine Reise nötig wäre. Wenn Sie diese Phase mitdenken, werden Sie merken, dass Ihre Projekte über die Jahre an Tiefe gewinnen — und dass die nächste Begegnung vor Ort plötzlich viel ergiebiger wird, weil die Beteiligten sich schon kennen.

Ein paar zusätzliche Hinweise aus unserer Praxis: Achten Sie bei der Sprachwahl darauf, dass nicht alle Beteiligten perfekt Deutsch oder Polnisch sprechen. Gemischtsprachige Gespräche sind nicht nur erlaubt, sie sind erwünscht. Sie zeigen, dass die Begegnung auf Augenhöhe stattfindet, und sie geben allen Beteiligten die Chance, die andere Sprache als klingende Realität und nicht als Übersetzungsprodukt zu erleben. Wenn Sie dolmetschen lassen, planen Sie Pausen ein — und wählen Sie nach Möglichkeit Dolmetscherinnen und Dolmetscher, die mit dem jeweiligen Medienkontext vertraut sind. Ein technisches Detail, das in der Praxis viel Ärger spart: Klären Sie vor jeder Videokonferenz, welches Werkzeug Sie nutzen und ob alle Beteiligten damit umgehen können. Die europäische Datenschutzgrundverordnung gilt in beiden Ländern, aber kein Anbieter ist automatisch datenschutzkonform — die Einhaltung muss für das konkret eingesetzte Werkzeug und die tatsächliche Verarbeitung im Einzelfall nachgewiesen werden.

Zum Schluss noch ein Wort zur Geduld. Wer zum ersten Mal eine deutsch-polnische Kooperation leitet, wird vermutlich schneller auf Reibung stoßen als erhofft. Themen werden anders gewichtet, Quellen anders eingeschätzt, Redaktionsschluss anders verstanden. Das ist kein Defekt, das ist die Alltagsrealität einer Beziehung zwischen zwei Ländern, die zwar nah beieinander liegen und doch ihre eigenen Rhythmen pflegen. Unsere Aufgabe als Mittlerinnen und Mittler in der Zivilgesellschaft ist nicht, diese Rhythmen einzuebnen, sondern sie für die Beteiligten hörbar zu machen. Wer das verstanden hat, wird merken, dass die Frage „Redaktionsbesuch oder Videokonferenz" sich am Ende von selbst auflöst — in ein Sowohl-als-auch, das den Alltag unserer Nachbarschaft ein kleines Stück weit besser macht.

Häufige Fragen

Warum reicht eine Videokonferenz nicht für eine deutsch-polnische Medienkooperation aus?
Digitale Formate können die Alltagsrealität einer Redaktion, wie informelle Pausengespräche oder kulturelle Arbeitsweisen, nicht transportieren. Vertrauen und ein tieferes Verständnis für die Arbeitsweise des Nachbarlandes entstehen erst durch die persönliche Begegnung vor Ort.
Welche Rolle spielen Videokonferenzen in der Zusammenarbeit?
Sie dienen als Brücke zwischen den physischen Treffen. Sie sind ideal für die Vorbereitung von Themen, das Debriefing nach einer Reise und als quartalsweiser Termin, um die Partnerschaft kontinuierlich lebendig zu halten.
Was sind die wichtigsten Voraussetzungen für eine Förderung durch das DPJW?
Das Projekt muss einen erkennbaren Begegnungscharakter für junge Menschen zwischen 12 und 26 Jahren aufweisen. Rein touristische Programme sind nicht förderfähig, und Anträge müssen mindestens drei Monate vor Projektbeginn eingereicht werden.
Wie unterscheidet sich die Förderung bei Erasmus+?
Erasmus+ fördert Jugendbegegnungen von 5 bis 21 Tagen. Digitale Werkzeuge sind hier ausdrücklich als Ergänzung zu physischen Treffen gedacht und müssen überwiegend synchron sowie moderiert stattfinden.
Worauf sollte man bei der Planung von hybriden Projekten achten?
Es empfiehlt sich ein Rhythmus aus digitaler Vorbereitung, einem drei- bis fünftägigen Redaktionsbesuch und einer digitalen Nachbereitung. Zudem sollten Datenschutzregeln für die genutzten Tools geprüft und Sprachbarrieren durch bewusste Planung berücksichtigt werden.