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Profi-Dialog: Neues Austauschprogramm vernetzt deutsche und polnische Azubis

Nach Informationen der ZEIT Online beginnen die ersten Projekte im September in der Grenzregion Brandenburg-Lebus.

Profi-Dialog: Neues Austauschprogramm vernetzt deutsche und polnische Azubis

m für Berufsschüler – mehr als ein Sommerloch-Füller?

Das Deutsch-Polnische Jugendwerk startet ein neues Austauschprogramm namens "Profi-Dialog", das gezielt Auszubildende in technischen Berufen zusammenbringen soll. Nach Informationen der ZEIT Online beginnen die ersten Projekte im September in der Grenzregion Brandenburg-Lebus. Die Stoßrichtung ist klar: Der grenzüberschreitende Arbeitsmarkt soll gestärkt werden – eine Antwort auf den seit Jahren beklagten Fachkräftemangel, der an der Oder besonders drückend ist.

Was sich hinter dem Programm verbirgt

Berufsschüler statt Studierende, Werkstatt statt Seminarraum – das ist der Clou. Wer bislang an deutsch-polnischen Austausch dachte, hatte meist Studierende der Universitäten vor Augen, die in irgendwelchen Seminarräumen über "Verständigung" referierten. "Profi-Dialog" setzt einen anderen Akzent: Es geht um konkrete Berufsbilder, um Mechatroniker, Elektroniker, Industriehandwerker – also um jene Leute, die täglich mit den Realitäten eines integrierten Arbeitsmarktes konfrontiert sind, von dem die Sonntagsreden seit 1990 künden.

Dass ausgerechnet Brandenburg-Lebus als Startregion gewählt wurde, ist kein Zufall. Die Region leidet seit Jahrzehnten unter Abwanderung und wirtschaftlichem Niedergang, während jenseits der Oder Betriebe händeringend nach Fachkräften suchen. Ein bilateraler Hebel, der bislang politisch beschworen, aber praktisch kaum umgesetzt wurde.

Mehr "Manöver" als Dialog?

Man muss den Kontext mitdenken. Während das Jugendwerk Austauschformate für Lehrlinge auflegt, unterzeichnen Baerbock und Sikorski in Warschau ein neues Abkommen zur militärischen Zusammenarbeit – berichtet die Frankfurter Allgemeine Zeitung. Die Welt meldet derweil die bislang größte bilaterale Militärübung des Jahres auf dem Truppenübungsplatz Żagań, wo über 5.000 Soldaten die Interoperabilität ihrer Panzertruppen testen.

Die Frage drängt sich auf: Welches Bild von "Verständigung" dominiert eigentlich? Ist es die Werkbank in Lebus oder der Panzer in Żagań? Beides hat seine Berechtigung, gewiss. Doch der Verdacht liegt nahe, dass die mediale Aufmerksamkeit der politisch-militärischen Achse gilt, während ein Programm wie "Profi-Dialog" allenfalls eine ZEIT-Online-Meldung im Sommerloch bekommt. Das ist die eigentliche Schieflage.

Was zu beobachten bleibt

Drei Punkte entscheiden darüber, ob "Profi-Dialog" mehr als eine Pressemitteilung wird:

  • Teilnehmerzahlen und Branchenmix: Bleibt es bei symbolischen Kohorten, oder erreichen die Projekte tatsächlich die Berufsgruppen, die der Grenzregion fehlen?
  • Vernetzung mit Arbeitgebern: Findet der Austausch in Werkstätten und Betrieben statt, oder reduziert er sich auf Seminare und Besichtigungen?
  • Langfristigkeit: Wird "Profi-Dialog" als verstetigtes Programm finanziert oder läuft es nach einer Modellphase sang- und klanglos aus?

Geschichte wiederholt sich nicht, aber sie hat ein ekliges Gedächtnis für Programme mit großen Namen und bescheidener Halbwertszeit. Wer 1990 die deutsch-polnischen Jugendwerke als Brückenbauer pries, weiß, wie viele dieser Brücken inzwischen unter Verkehrslast ächzen. "Profi-Dialog" verdient eine Chance – aber kein Vertrauen auf Vorschuss.