EU-Sanktionen gegen Russland: Warum der Kreml andere Sorgen hat
Die Europäische Union hat nach Angaben der Berliner Morgenpost ein neues Sanktionspaket gegen Russland verabschiedet.

Es zielt schwerpunktmäßig auf den russischen Finanz- und Energiesektor – die ursprünglich geplanten Maßnahmen wurden durch Partikularinteressen einzelner Mitgliedstaaten erneut aufgeweicht. Die Berliner Morgenpost stellt dazu unmissverständlich fest: Nicht die Sanktionen selbst bereiten dem Kreml derzeit die größten Probleme.
Wo die Architektur an ihre Grenzen stößt
Das Strukturdefizit liegt im Verfahren selbst. Jede Sanktionsrunde erfordert Einstimmigkeit im Rat – jedes Mitgliedsland mit wirtschaftlichen Verflechtungen nach Moskau kann Sonderregelungen, Übergangsfristen oder Ausnahmelisten durchsetzen. Die Folge: ein formell einstimmiger Beschluss, der im Vollzug an Substanz verliert. Die Berliner Morgenpost ordnet diese Dynamik als wiederkehrendes Muster ein. Was den Druck auf Moskau tatsächlich erzeugt, bleibt im Bericht bewusst offen – nur so viel: Die bisherigen Sanktionen werden als „wenig wirksam" und „leicht zu umgehen" charakterisiert.
Abstimmung jenseits der Brüsseler Tagesordnung
Parallel verschiebt sich die Koordination in bilaterale Kanäle. Nach Informationen von 112.ua führte der frühere ukrainische Präsident Petro Poroschenko ein Telefonat mit dem EVP-Vorsitzenden Manfred Weber. Im Mittelpunkt standen die Lage in der Ukraine, das 21. Sanktionspaket der EU und der weitere europäische Integrationsweg Kiews. Poroschenko bedankte sich ausdrücklich für die Verabschiedung der Europa-Resolution zum Fortschritt der Ukraine auf dem Weg zur EU-Integration. Ergänzend traf er den irischen Botschafter in Kiew, Jonathan Conlon – ebenfalls zur Abstimmung über die weitere Unterstützung des Landes. Solche Kontakte verändern keine Mehrheiten im Rat, sie erhöhen jedoch den Erwartungsdruck gegenüber jenen Hauptstädten, die bei Sanktionsrunden regelmäßig auf die Bremse treten.
Was Berlin und Warschau eint – und trennt
Für das deutsch-polnische Verhältnis bleibt die Sanktionspolitik ein Seismograph. Polen gehört zu den konsequentesten Befürwortern einer harten Linie gegenüber Moskau und dürfte bei der nächsten Verhandlungsrunde auf vollständige Anwendung der beschlossenen Maßnahmen drängen. Berlin steht vor der klassischen Abwägung: wirtschaftliche Eigeninteressen im Energie- und Finanzsektor versus europäische Geschlossenheit. Dieses Strukturgefälle zwischen beiden Hauptstädten reproduziert sich in jeder Sanktionsrunde neu. Die nüchterne Prognose: Solange das Einstimmigkeitsprinzip das Verfahren bestimmt, bleibt jedes Paket ein Kompromiss auf dem kleinsten gemeinsamen Nenner – der wirksame Druck auf den Kreml entsteht anderswo.