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Julie Mehretu im Museum für Moderne Kunst: Eine Premiere für Warschau

Die Schau „Kairos / Hauntological Variations" der äthiopisch-amerikanischen Künstlerin Julie Mehretu läuft seit dem 20. März 2026 im Museum für Moderne Kunst in Warschau. Wie das Museum mitteilt, endet die Präsentation am 30. August 2026.

Julie Mehretu im Museum für Moderne Kunst: Eine Premiere für Warschau

Es ist die erste umfassende Werkschau Mehretus in Polen. Die Ausstellung wird institutionell mitgetragen – durch Leihgaben der Pinault Collection und in Kooperation mit der Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen in Düsseldorf.

Trägerstruktur und Standortlogik

Kurator Szymon Żydek baut ein Konzept von Susanne Gaensheimer und Sebastian Peter aus. Damit steht hinter der Warschauer Schau ein dezidiert binational angelegtes Stützgerüst: ein deutsches Landesmuseum als Kooperationspartner, ein privates Sammlerhaus als Leihgeber, ein polnisches Ausstellungshaus als Gastgeber. Das Museums of Modern Art in Warsaw reiht sich mit der Mehretu-Schau in eine Reihe institutioneller Stationen ein, zu denen auch das Philadelphia Museum of Art mit der Fokusausstellung „Julie Mehretu: In Focus" (20. September 2025 bis 10. Mai 2026) gehört. Der institutionelle Rang der Präsentation wird durch die Sammlungsbestände unterstrichen, in denen Mehretu bereits vertreten ist – darunter Tate, MoMA und die National Gallery of Art in Washington.

Thematische Achse

Die Ausstellung versammelt Werke von den diagrammatischen Arbeiten der späten 1990er Jahre bis zu aktuellen Großformaten. Mehretu überlagert darin Architekturpläne, kartografische Spuren und digitale Bildwelten, meist im monumentalen Format. Das Museum rahmt die Schau über die Begriffe „kairos" (griechisch für den rechten Zeitpunkt) und „hauntology" (Jacques Derridas Konzept eines nicht abgeschlossenen historischen Konflikts). Damit ist die inhaltliche Anlage direkt auf eine mitteleuropäische Lesart hin kalibriert: offene Geschichtsdeutungen, Schichtungen und Erinnerungslasten, die sich in der Region zwischen Warschau, Düsseldorf und den übrigen europäischen Museumsstandorten unmittelbar politisch lesen lassen.

Was für den deutsch-polnischen Kontext zählt

Drei Punkte verdienen Beachtung. Erstens: Die Kooperation mit der Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen bindet ein deutsches Landeshaus verbindlich in eine polnische Museumsproduktion ein – ein seltener Fall wechselseitiger institutioneller Sichtbarkeit. Zweitens: Der thematische Rahmen (kairos, hauntology) trifft einen Diskurs, der die deutsch-polnische Erinnerungspolitik seit Jahren begleitet. Drittens: Mit dem Ende am 30. August 2026 ist das Zeitfenster eng. Wer die Schau vor Ort sehen will, muss sie bis dahin einplanen. Zu beobachten bleibt, ob aus dieser Konstellation Folgeprojekte mit deutscher Beteiligung entstehen – etwa im Bereich Kuration, Sammlungsdialog oder Wechselausstellung.