Taiwan setzt auf kulturelle Diplomatie bei Polen-Tournee
Die Nationale Kulturgesellschaft Taiwans (NCAT) plant am 11. und 12. September einen zweitägigen „Taiwan Day" in Polen, wie die taiwanesische Nachrichtenagentur Focus Taiwan meldet.

Mit Auftritten in Łódź und Opole setzt Taipeh gezielt auf Kultur als diplomatisches Ersatzformat – ein begrenzter, aber strategisch platzierter Streich in Mitteleuropa, der auch in die deutsch-polnische Nachbarschaftsdebatte hineinwirkt.
Stationen und Programmstruktur
Den Auftakt bildet Łódź am 11. September. Dort treten die Folkgruppe Lei Sheng Art Group und das Beiguan-Ensemble Taipei Gong Le Xuan auf. Begleitend öffnet ein Basar mit mehr als zehn Ständen, der Teigtaschen – laut Veranstalter das taiwanesische Pendant zu polnischen Pierogi –, Bubble Tea und taiwanischen Tee anbietet. Am 12. September zieht die Tournee nach Opole in Südwestpolen weiter. Dort ergänzt die MeimageDance Troupe unter der Choreografin Ho Hsiao-mei, Trägerin des taiwanesischen National Award for Arts, das Programm.
Die Intention formuliert die NCAT in einem Social-Media-Post: Man wolle die polnischen Straßen in eine Art taiwanesischen Tempelvorplatz verwandeln. Eine direkte Übersetzung ins Politische liefert die Pressekonferenz in Taipeh. Vizepräsidentin Hsiao Bi-khim, zugleich Vizepräsidentin der NCAT, erläuterte das Ziel der Tournee: Europäerinnen und Europäer für einen Taiwan-Besuch zu gewinnen. Zugleich verwies sie darauf, dass Taiwan trotz der Schwierigkeiten in seinen diplomatischen Beziehungen seine kulturelle Ausstrahlung konsequent halte.
Mitteleuropäische Tournee als Gesamtkonzept
Die Polen-Station ist Teil einer breiteren Mitteleuropa-Runde. MeimageDance tritt am 5. September in Österreich sowie am 18. und 19. September in Ungarn auf. Für Polen bedeutet das: Taipeh wählt mit Łódź und Opole bewusst mittelgroße Städte außerhalb Warschaus – ein Indikator dafür, dass die Reichweite gezielt begrenzt und auf diaspora- und kulturinteressierte Zielgruppen zugeschnitten wird. Eine flächendeckende Imagekampagne sieht anders aus.
Was bleibt zu beobachten
Die sichtbare Wirkung über die Veranstaltungstage hinaus hängt an zwei Parametern. Erstens: Folgen weitere Termine in Warschau oder Breslau? Zweitens: Verstetigt die polnische Seite den Kontakt institutionell – etwa über Städtepartnerschaften, Hochschulkooperationen oder Handelskammern? Für die deutsch-polnische Verflechtungsanalyse relevant bleibt zudem, wie Berlin die Annäherung zwischen Warschau und Taipeh einordnet. Der Vorgang ist kulturwirtschaftlich klein, strukturell jedoch ein weiterer Datenpunkt im Wettbewerb um Aufmerksamkeit in der EU-Osthälfte.